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| Fliegen im Westen
der USA ist Freiheit pur. Zum einen wegen der wilden und weitläufigen
Landschaft, die einem die - in Europa niemals sichtbare - Dimensionen von
der Größe unseres Planeten erahnen lässt. Zum anderen wegen
der unkomplizierten Art der "Ami's" mit den Dingen und insbesondere mit
dem Fliegen umzugehen. Der Anruf eines wildfremden Menschen aus Deutschland
genügt und Mike, der eine Flugschule in Phoenix betreibt und auch
Flugzeuge verchartert, reserviert mir eine Cessna 182 für einen Trip
durch Arizona.
Wir verlassen Phoenix in Richtung Norden und fliegen über eine hügelige Landschaft. In der Ferne taucht etwas Rotes auf: Sedona mit seinen roten Sandsteinfelsen. Wie eine Treppenstufe markiert es die Grenze zwischen dem Hügelland im Süden und dem höher gelegenen, aber flachem Land im Norden. |
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Das flache Land ist schier endlos und steigt langsam auf eine Höhe von rund 7000 Fuß (2000 m) über dem Meer an. Die Sicht ist heute besonders gut, fast 200 km. Und in Sichtweite ist alles flach, mit einer Ausnahme: Humphreys Peak steht einfach so unverhofft und alleine in der Landschaft herum und reicht bis auf 12500 Fuß (3600 m). Wir fliegen weiter in nördlicher Richtung und wieder verschluckt uns das flache, hohe Land. Es ist Mitte März und an vielen Stellen liegt noch Schnee. |
| Ein kleiner "Kratzer" unterbricht die Einöde: Ganz weit hinten ist irgendwie ein Riss in der Landschaft. Das muss er sein, der Grand Canyon. Je näher wir kommen, desto größer wird der Riss. Wir beginnen zu steigen, denn der Grand Canyon darf nur in bestimmten Flughöhen überflogen werden. Aus Umweltschutz- und Sicherheitsgründen: Der Canyon ist rund 30 km breit und der nördliche Rand liegt auf fast 9000 Fuß (2700 m) Höhe. | ![]() |
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In 13500 Fuß (4000 m) Höhe fliegen wir jetzt genau drüber. Wenn ich mir die zerklüftete Landschaft unten ansehe, bin ich froh, so hoch oben zu sein. Es sieht ein bisschen unwirtlich aber trotzdem fantastisch aus. | ![]() |
| An den Nordhängen
liegt noch Schnee, der die ganze Szene noch plastischer erscheinen lässt.
Der Canyon ist so groß, dass es schwerfällt die Größe
wirklich zu begreifen. In Längsrichtung windet sich der Colorado auf
fast 200 km Länge durch die Schluchten. Der Fluss liegt mehr als 1000
Meter unter der Oberkante des Canyon und somit etwa 3000 Meter unter uns.
Normalerweise ist hier extrem viel Verkehr in der Luft und daher muss jeder
Pilot an definierten Stellen seine momentane Position und Flugrichtung
über Funk bekanntgeben. Eine ganze Reihe professionelle Anbieter fliegen
mit Flugzeugen und Hubschraubern die Touristen über den Canyon. Heute
sind wir fast alleine, lediglich ein Hubschrauber ist über Funk zu
hören. Das macht Laune und lässt uns die Landschaft noch intensiver
erleben.
Nach zwei Überflügen verlassen wir den Grand Canyon und nehmen Kurs Richtung Page. Dieser Ort verdankt seine Existenz dem Glen Canyon Staudamm, der das Wasser des Colorado auf einer Länge von rund 200 km aufstaut und den Lake Powell bildet. Dieser See ist ein riesiges Wassersportgebiet - und das mitten in der Wüste. |
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Früher
muss der Glen Canyon wohl mindestens ebenso spektakulär gewesen sein,
wie der Grand Canyon.
Wir machen einen Zwischenstop in Page und sehen uns den Staudamm an. Mit dem Kinderbuggy machen wir uns auf den Weg vom Motel zum Staudamm, auf der einzigen Strasse. Die vorbeifahrenden Autos und Trucks winken uns freundlich zu. Offensichtlich sind sie Fußgänger nicht gewohnt. |
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Am nächsten
Morgen starten wir Richtung Monument Valley. Und wieder haben wir extrem
gute Sicht. Schon kurz nach dem Start sehen wir in der Ferne den Navajo
Mountain, den heiligen Berg der Navajo Indianer. Wegen der guten Sicht
wird er uns eine Weile "begleiten".
Jetzt haben wir auch Gelegenheit, die Wassersportaktivitäten etwas genauer zu betrachten. Im Bootshafen tummeln sich unzählige Motorboote. Und obwohl jetzt keine Saison ist, ist auf dem See einiges los. |
| Der Lake Powell
verästelt sich in unzählige Seitenarme und wirkt wie ein fraktales
Gebilde. Jedes Boot sucht sich seine "eigene" Bucht und genießt dort
Wasser, Sonne und Einsamkeit. Neben den tausenden Seitenarmen ist die Farbe
des Sees sehr beeindruckend. Das tiefe Blau gibt einen wunderbaren Kontrast
zu den rötlich braunen Felsen.
Wir brauchen fast eine Stunde bis wir das Ende des Lake Powell erreichen und drehen dann Richtung Süden, zum Monument Valley. |
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Bereits aus weiter Ferne sind die ersten Steinsäulen erkennbar. Das Tal ist so weitläufig, dass es eigentlich gar nicht als solches zu erkennen ist - eher eine große Senke. Die Steinsäulen sind äußerst skuril. Neben den dicken Klötzen, die in jedem Western vorkommen, gibt es "haarfeine Nadeln", die seltsamerweise in hundertausenden von Jahren nicht umgefallen sind. |
| Wir sinken, um uns das ganze aus der Nähe anzusehen. Die Steinsäulen bieten eine großartige Kulisse. Im Hintergrund sehen wir immer noch unseren "treuen Begleiter", den Navajo Mountain, rund 100 km entfernt. | ![]() |
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Wir drehen einige Runden und verlassen Monument Valley, da wir noch fast zwei Stunden zurück nach Phoenix fliegen müssen. Wir folgen einer Strasse Richtung Flagstaff um halbwegs in der Zivilisation zu bleiben. Der direkte Weg Richtung Phoenix würde uns durch gänzlich unbesiedeltes Gebiet in einem militärischen Übungsgebiet führen. Und so ein Flug durch das "Nichts" ist doch immer irgendwie beklemmend. |
| So folgen wir
dem Highway, der auf 100 Kilometern nur unwesentliche Kurven hat. Da ist
sogar Fliegen ein kleines bißchen langweilig. Bei Flagstaff werden
wir im Leebereich einiger Berge etwas durchgeschüttelt. Über
Funk erhalte ich Wetterinformationen, dass im 300 Kilometer entfernten
Las Vegas der Wind am Boden bereits auf 45 Knoten (80 km/h) angestiegen
ist. So starker Wind kann in der Wüste ziemlich unangenehm werden.
Glücklicherweise ist Richtung Phoenix noch alles in Ordnung, nur die
Sicht geht deutlich zurück. Was aber nicht weiter stört, denn
wir haben gesehen, was wir sehen wollten. Nach über drei Stunden Flug
landen wir wieder in Phoenix.
Wir kommen wieder ... |
Hinweis:
fly-for-fun
ist kein gewerbliches Luftfahrtunternehmen, sondern eine private
Initiative von Karl-Heinz Kühnlein.