Rundflug über die Alpen

Alpenüberquerung - Rückflug von Elba

Zwei wunderschöne Wochen haben wir im Mai auf der Insel Elba verbracht. Nun ist es Sonntag morgen und der Rückflug nach Hause steht auf dem Programm. Die "Viktor Charly" (der Kurzname des Flugzeugs sind die letzten beiden Buchstaben des Kennzeichens) ist vollgetankt und die Schwimmwesten - wir fliegen schließlich einige Kilometer über das Meer - sind angelegt. Der Wetterbericht prognostiziert bestes Wetter auf der Nordseite der Alpen, hier unten in Italien ist das Wetter ebenfalls gut. Lediglich im Alpenraum hängt noch feuchte, wolkige Luft herum, die uns wohl behindern wird.
Wir starten und werfen noch einen letzten Blick zurück. Der Flugplatz von Elba gehört zu den schwierigeren Plätzen. Für unser kleines Flugzeug sind die 1000 Meter Landepiste zwar kein Problem, aber der Berg im Hintergrund müsste nicht unbedingt da sein. Größere Turboprop-Maschinen, die aus ganz Europa Elba direkt anfliegen, haben es da schon schwerer. Die Landebahn reicht gerade so und wenn die mal durchstarten müssen, wird es spektakulär ...
Die Navigation ist einfach, wir fliegen entlang der Riviera gen Norden. In Italien muss sehr oft tief geflogen werden, im Bereich von Flughäfen sind nur 1000 Fuß (300 m) Flughöhe erlaubt. Macht nichts, so können wir die Küste besser geniesen. Und die macht Lust auf längeren Urlaub, was soll's. Wir folgen der Küste bis Genua und "tunneln" dann auf Kammhöhe durch die engen Apeninnentäler. Die Poebene durchqueren wir mal wieder in 1000 Fuß - wegen dem Mailänder Flughafen.
Sobald wir den Comer See erreichen, beginnen wir zu steigen, um rechtzeitig Höhe zu gewinnen. Wie vorhergesagt, hängt in den Alpen noch feuchte, labile Luft fest. Diese steigt auf und bildet riesige - und diesmal auch ziemlich dichte - Quellwolken. Noch bin ich unentschlossen, ob wir lieber über oder unter den Wolken fliegen sollen. Hinten, im rechten Bildteil knickt das Tal nach links weg, da müssen wir durch.
Als wir näher kommen, klärt sich schnell die Frage, ob obendrüber oder untendurch. Die Wolkenuntergrenze liegt auf 8000 Fuß (2400m) und unsere Passhöhe ist 7000 Fuß (2100m). Das ist extrem knapp - plötzliche Abwinde können in den Bergen 300 m Höhenunterschied schnell zunichte machen. Und die Wolken sind zu dicht beieinander, um zwischendurch zu fliegen.  Also obendrüber. Die Wolkenobergrenze schätze ich auf vielleicht 12000 Fuß (3600m), also kein Problem für unser gut motorisiertes "Buschflugzeug" - langsam, aber kräftig.
Als wir in 12000 Fuß ankommen, sind die Wolken schon ein bißchen weiter gewachsen, jetzt vielleich 13000 Fuß. Als wir in 13000 Fuß ankommen sind die Wolken wieder ein bißchen weiter gewachsen, jetzt vielleicht 14000 Fuß. Unser "Buschflieger" steigt in dieser Höhe nicht mehr besonders gut. Wir quälen uns auf 14000 Fuß und haben immer noch nicht genug Höhe, um über die Wolken zu kommen. Endlich, in 15000 Fuß (4500 m) sind wir drüber. 
Geschafft. "Halb im Weltraum" - wir haben natürlich keine Druckkabine und keinen Sauerstoff an Bord - fliegen wir über die Wolkentürme. Unter uns liegt die Passhöhe. Wie ich vermutet hatte, stauen sich die Wolken im Bereich des Passes und lassen nur eine kleine Lücke zum Durchfliegen. Über die Wolken zu fliegen war also die richtige Entscheidung. Auf der anderen Seite des Passes werden die Wolken schlagartig lichter und stehen uns jetzt nur noch vereinzelt und leicht umfliegbar im Weg. Die Alpen wurden ihrem Ruf als Wetterscheide mal wieder gerecht.
Wir sinken wieder in etwas angenehmere Höhen. Durch den langen Steigflug haben wir mehr Sprit verbraucht als geplant. Daher wird eine Zwischenlandung in Konstanz notwendig. Das Rheintal führt uns direkt dorthin.
Je weiter nördlich wir kommen, umso besser wird das Wetter. Am Ende des Rheintals haben wir fast wolkenlosen Himmel.
In Konstanz, ja in ganz Süddeutschland, ist alles unterwegs was Flügel hat. Am Flugplatz gibt es kaum noch einen Abstellplatz. Die Funkfrequenzen sind heillos überlastet. Wir machen nur einen kurzen Tankstop und heben gleich wieder ab, für das letzte Stückchen bis nach Hause.

 

Hinweis:
fly-for-fun ist kein gewerbliches Luftfahrtunternehmen, sondern eine private Initiative von Karl-Heinz Kühnlein.